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Ratgeber · Incoterms®

Incoterms® 2020 im Rohstoffhandel: alle Klauseln, Risiko und Kosten

Incoterms® legen fest, wer im internationalen Warenverkehr Transport, Versicherung, Zoll und Risiko trägt. Im Rohstoffhandel entscheidet die richtige Klausel oft über Kosten und Streitpotenzial – dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten.

Stand: Oktober 20264 Min. LesezeitAndalucia Premium

Auf einen Blick

Die Incoterms® 2020 der ICC umfassen 11 Klauseln: 7 für alle Transportarten, 4 nur für See- und Binnenschiffstransport.

Sie regeln Kosten, Risikoübergang und Pflichten – nicht Eigentumsübergang, Zahlung oder anwendbares Recht.

Im Massengutgeschäft per Schiff sind FOB, CFR und CIF am verbreitetsten.

Was sind Incoterms®?

Incoterms® sind standardisierte Lieferklauseln der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie legen fest, welche Partei welche Kosten trägt, wo das Risiko übergeht und wer sich um Transport, Versicherung und Zollformalitäten kümmert.

Die aktuell verbreitete Fassung sind die Incoterms® 2020. Damit eine Klausel gilt, muss sie im Vertrag ausdrücklich vereinbart werden – idealerweise mit genauem Ort und Fassung, zum Beispiel CIF Casablanca, Incoterms® 2020.

Incoterms® sind kein Gesetz, sondern Vertragsbestandteil. Was sie nicht regeln, muss der Kaufvertrag selbst festlegen.

Welche 11 Incoterms® gibt es?

Die Incoterms® 2020 bestehen aus sieben Klauseln für alle Transportarten (EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP) und vier Klauseln nur für den See- und Binnenschiffstransport (FAS, FOB, CFR, CIF).

KlauselBedeutungTransportart
EXWAb Werkalle
FCAFrei Frachtführeralle
CPTFrachtfreialle
CIPFrachtfrei versichertalle
DAPGeliefert benannter Ortalle
DPUGeliefert benannter Ort entladenalle
DDPGeliefert verzolltalle
FASFrei Längsseite SchiffSee/Binnenschiff
FOBFrei an BordSee/Binnenschiff
CFRKosten und FrachtSee/Binnenschiff
CIFKosten, Versicherung und FrachtSee/Binnenschiff

Mit den Incoterms® 2020 wurde DAT durch DPU ersetzt; die Entladung am Bestimmungsort ist nun nicht mehr auf Terminals beschränkt.

Welche Incoterms® sind im Rohstoffhandel üblich?

Bei Schüttgut und Tankerladungen dominieren FOB, CFR und CIF. Im Containerverkehr und bei Lieferungen per Lkw werden häufig FCA, CPT, CIP und DAP vereinbart.

  • FOB: Der Käufer chartert das Schiff, der Verkäufer verlädt die Ware an Bord im Verschiffungshafen.
  • CFR: Der Verkäufer organisiert und bezahlt die Fracht bis zum Bestimmungshafen.
  • CIF: Wie CFR, zusätzlich schließt der Verkäufer eine Transportversicherung zugunsten des Käufers ab.
  • DAP: Der Verkäufer liefert bis zum benannten Bestimmungsort, unverzollt und nicht entladen.

Für Container empfiehlt die ICC eher FCA, CPT oder CIP, weil die Ware meist schon am Containerterminal und nicht erst an Bord übergeben wird.

Wann geht das Risiko bei FOB, CFR und CIF über?

Bei FOB, CFR und CIF geht das Risiko auf den Käufer über, sobald die Ware im Verschiffungshafen an Bord des Schiffes geliefert ist. Bei CFR und CIF zahlt der Verkäufer zwar die Fracht, das Transportrisiko trägt aber der Käufer.

Dieser Unterschied zwischen Kostenübergang und Risikoübergang ist eine häufige Fehlerquelle. Wer CIF kauft, trägt das Risiko auf See – geschützt durch die Versicherung, die der Verkäufer abschließen muss.

Bei den D-Klauseln (DAP, DPU, DDP) trägt der Verkäufer das Risiko bis zum Bestimmungsort.

Welche Versicherung ist bei CIF und CIP vorgeschrieben?

Bei CIF muss der Verkäufer mindestens eine Deckung nach den Institute Cargo Clauses (C) abschließen, bei CIP seit 2020 eine umfassendere Deckung nach den Institute Cargo Clauses (A). Die Parteien können eine andere Deckung vereinbaren.

Die Mindestversicherungssumme beträgt nach den Incoterms® 110 % des Vertragspreises. Für hochwertige Ware oder besondere Risiken lohnt es sich, Deckungsumfang und Versicherer im Vertrag ausdrücklich festzulegen.

Was regeln Incoterms® nicht?

Incoterms® regeln weder den Eigentumsübergang noch Zahlungsbedingungen, Preis, Gewährleistung oder das anwendbare Recht. Diese Punkte müssen im Kaufvertrag gesondert vereinbart werden.

  • Eigentumsübergang und Eigentumsvorbehalt
  • Zahlungsart und Zahlungsfristen
  • Spezifikation, Toleranzen und Inspektion
  • Haftung bei Vertragsverletzung, höhere Gewalt
  • Gerichtsstand oder Schiedsverfahren und anwendbares Recht

Welche Fehler passieren häufig bei Incoterms®?

Häufige Fehler sind fehlende Ortsangaben, Klauseln, die nicht zur Transportart passen, und Unklarheit darüber, wer Umschlagkosten im Hafen trägt. Auch die Fassung sollte immer genannt werden.

  1. Ort zu ungenau: FOB Spanien statt eines konkreten Verladehafens.
  2. FOB oder CIF bei Containerware, obwohl die Ware vorher am Terminal übergeben wird.
  3. EXW im Export, obwohl der Käufer die Ausfuhrformalitäten im Land des Verkäufers kaum erledigen kann.
  4. DDP ohne Klärung, ob der Verkäufer Einfuhrabgaben im Zielland überhaupt tragen und abwickeln kann.
  5. Keine Regelung zu Liegezeiten und Demurrage im Chartervertrag bei Schiffsladungen.

Stand: Oktober 2026Diese Seite enthält allgemeine Informationen zur Handelspraxis. Sie stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.

Gelten die Incoterms® automatisch?

Nein. Sie gelten nur, wenn sie im Vertrag vereinbart werden. Nennen Sie dabei Klausel, genauen Ort und Fassung, etwa FOB Huelva, Incoterms® 2020.

Kann man ältere Incoterms®-Fassungen noch verwenden?

Ja, die Parteien können auch ältere Fassungen vereinbaren. Wichtig ist, dass die Fassung im Vertrag genannt wird, damit klar ist, welche Regeln gelten.

Was ist der Unterschied zwischen FOB und FCA?

Bei FOB wird die Ware an Bord des Schiffes geliefert, bei FCA an den vom Käufer benannten Frachtführer, etwa am Terminal oder im Lager. FCA eignet sich daher besser für Containerverkehr.

Wer übernimmt bei DAP die Einfuhrverzollung?

Bei DAP übernimmt der Käufer die Einfuhrverzollung und trägt die Einfuhrabgaben. Der Verkäufer kümmert sich um die Ausfuhr und liefert bis zum benannten Ort.

Regeln Incoterms® die Liegegelder (Demurrage)?

Nein. Liegezeiten und Liegegelder werden im Charter- bzw. Kaufvertrag geregelt. Bei Schiffsladungen sollte das immer ausdrücklich vereinbart werden.

Gibt es Incoterms 2026?

Nein. Zum Stand dieses Ratgebers ist Incoterms® 2020 die aktuelle Fassung der ICC. Erscheint eine neue Fassung, sollte der Vertrag ausdrücklich nennen, welche gilt, etwa „CIF Algeciras Incoterms® 2020“.

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