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Ratgeber · Inspektion

Inspektion und Zertifikate im Rohstoffhandel

Ob die gelieferte Ware der Vereinbarung entspricht, entscheidet sich bei der Verladung. Unabhängige Inspektionsgesellschaften prüfen Qualität und Menge und stellen die Zertifikate aus, auf die sich Käufer, Verkäufer und Banken stützen.

Stand: Oktober 20263 Min. LesezeitAndalucia Premium

Auf einen Blick

Unabhängige Inspektionsgesellschaften wie SGS, Bureau Veritas oder Intertek prüfen Qualität und Menge.

COA, COO und Qualitäts- und Mengenzertifikat sind übliche Dokumente für Lieferung und Zahlung.

Der Vertrag muss festlegen, welche Inspektion maßgeblich ist und was bei Abweichungen gilt.

Warum braucht man eine unabhängige Inspektion?

Weil Käufer die Ware im Verschiffungshafen meist nicht selbst prüfen können. Eine neutrale Inspektionsgesellschaft bestätigt Qualität und Menge und schafft eine gemeinsame Grundlage für Lieferung, Zahlung und mögliche Reklamationen.

Bei Zahlung per Akkreditiv sind die Zertifikate der Inspektion häufig Teil der vorzulegenden Dokumente. Damit hängt die Zahlung unmittelbar an der Prüfung.

Welche Inspektionsgesellschaften sind üblich?

Im internationalen Rohstoffhandel werden häufig große, international tätige Prüfgesellschaften beauftragt, zum Beispiel SGS, Bureau Veritas oder Intertek. Welche Gesellschaft tätig wird, vereinbaren die Parteien im Vertrag.

Wichtig sind Unabhängigkeit, Präsenz im Verladehafen und Akkreditierung des eingesetzten Labors für die relevanten Prüfmethoden. Für einzelne Märkte oder Produkte können auch andere anerkannte Prüfer in Frage kommen.

Was ist ein Analysezertifikat (COA)?

Ein Analysezertifikat (Certificate of Analysis, COA) weist die gemessenen Eigenschaften einer Probe aus, etwa Nährstoffgehalt, Feuchte oder Schwefelgehalt. Es zeigt, ob die Ware die vereinbarte Spezifikation erfüllt.

Ein COA des Herstellers ist eine Selbstauskunft. Ein COA der unabhängigen Inspektion aus Proben der konkreten Ladung hat für den Käufer deutlich mehr Aussagekraft. Achten Sie darauf, dass Probenahme, Prüfmethode und Datum genannt werden.

Was ist ein Ursprungszeugnis (COO)?

Das Ursprungszeugnis (Certificate of Origin, COO) bescheinigt das Herstellungs- oder Gewinnungsland der Ware. Es wird meist von einer Handelskammer des Ausfuhrlandes ausgestellt.

Der Ursprung ist entscheidend für Zölle, Handelspräferenzen, Einfuhrbeschränkungen und Sanktionen. Für Präferenzen sind teils besondere Nachweise erforderlich, etwa die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 oder Ursprungserklärungen.

Was bestätigt ein Qualitäts- und Mengenzertifikat?

Das Qualitäts- und Mengenzertifikat bestätigt, dass die verladene Ware der vereinbarten Spezifikation entspricht, und weist die verladene Menge aus. Es wird von der Inspektionsgesellschaft ausgestellt, meist bei der Verladung.

WareTypische Mengenermittlung
Schüttgut (Düngemittel, Schrott)Tiefgangsbesichtigung (Draft Survey) oder Verwiegung
MineralölprodukteTankvermessung an Land oder an Bord
ContainerwareVerwiegung, Zählung der Packstücke
EdelmetalleWägung und Feingehaltsbestimmung je Barren

Wann und wo wird geprüft?

In der Regel vor oder während der Verladung im Verschiffungshafen. Zusätzlich kann eine Prüfung bei Entladung im Bestimmungshafen vereinbart werden.

Bei Holz oder Stahl ist auch eine Vorabinspektion im Werk oder Lager üblich, bei der Abmessungen, Kennzeichnung und Zustand geprüft werden. Bei Mineralöl werden Proben oft aus Landtanks und Schiffstanks gezogen.

Was passiert bei Abweichungen?

Dann gelten die vertraglichen Regelungen: Preisanpassungen bei geringen Abweichungen, Zurückweisung bei wesentlichen Mängeln oder eine Schiedsanalyse durch ein drittes Labor. Fehlen solche Regeln, ist Streit vorprogrammiert.

Halten Sie im Vertrag fest, welche Inspektion maßgeblich ist, welche Toleranzen gelten, wie Rückstellproben aufbewahrt werden und wer eine Schiedsanalyse durchführt.

Stand: Oktober 2026Diese Seite enthält allgemeine Informationen zur Handelspraxis. Sie stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.

Was kostet eine Inspektion?

Die Kosten hängen von Ware, Menge, Prüfumfang und Hafen ab. Ein Angebot der Inspektionsgesellschaft vorab einzuholen, ist üblich.

Kann der Käufer die Inspektionsgesellschaft wählen?

Das ist Verhandlungssache. Oft benennt der Käufer die Inspektion oder beide Seiten einigen sich im Vertrag auf eine Gesellschaft.

Ist ein Herstellerzertifikat ausreichend?

Für sich allein meist nicht. Es zeigt die Angaben des Herstellers; eine unabhängige Prüfung der konkreten Ladung gibt dem Käufer zusätzliche Sicherheit.

Wie erkenne ich gefälschte Zertifikate?

Prüfen Sie Zertifikate direkt beim ausstellenden Prüfer über dessen offizielle Kontaktwege. Unstimmige Daten, fehlende Referenznummern oder Zertifikate ohne Bezug zur konkreten Ladung sind Warnsignale.

Was ist ein Draft Survey?

Ein Draft Survey ist die Ermittlung der Ladungsmenge eines Schiffes anhand seines Tiefgangs vor und nach der Beladung. Er ist bei Schüttgut die übliche Methode der Mengenfeststellung.

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