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Ratgeber · Dokumente & Warnsignale

LOI, ICPO, FCO und SPA: Dokumente und Warnsignale im Rohstoffhandel

Im Rohstoffhandel kursieren viele Kürzel und Absichtserklärungen – und ebenso viele unseriöse Angebote. Wer die Dokumente kennt und auf typische Warnsignale achtet, schützt sich vor Zeitverlust und Betrug.

Stand: Oktober 20263 Min. LesezeitAndalucia Premium

Auf einen Blick

LOI, ICPO und FCO sind Absichtserklärungen und Angebote – maßgeblich ist erst der Kaufvertrag (SPA).

Vorabgebühren, Preise weit unter Markt und Druck zur schnellen Zahlung sind klassische Warnsignale.

Ware, Eigentum und Gegenpartei müssen überprüfbar sein, bevor Geld oder sensible Daten fließen.

Was sind LOI, ICPO und FCO?

Der LOI (Letter of Intent) bekundet Kaufinteresse, die ICPO (Irrevocable Corporate Purchase Order) ist eine Kaufabsichtserklärung mit konkreten Konditionen, und das FCO (Full Corporate Offer) ist das ausführliche Angebot des Verkäufers.

KürzelBedeutungVon wem
LOILetter of Intent – AbsichtserklärungKäufer
ICPOIrrevocable Corporate Purchase Order – Kaufabsicht mit KonditionenKäufer
SCOSoft Corporate Offer – unverbindliches AngebotVerkäufer
FCOFull Corporate Offer – vollständiges AngebotVerkäufer
SPASale and Purchase Agreement – Kaufvertragbeide
POPProof of Product – Nachweis der WareVerkäufer
POFProof of Funds – Nachweis der MittelKäufer

Trotz der Bezeichnung „irrevocable“ ist eine ICPO in der Regel kein durchsetzbarer Kaufvertrag. Ob und wie weit ein Dokument rechtlich bindet, hängt von Inhalt und anwendbarem Recht ab.

Was regelt der Kaufvertrag (SPA)?

Das SPA (Sale and Purchase Agreement) ist der verbindliche Kaufvertrag. Es regelt Ware, Spezifikation, Menge, Preis, Incoterms®, Inspektion, Zahlung, Dokumente, Haftung und Streitbeilegung.

Alle vorherigen Papiere dienen dazu, das SPA vorzubereiten. Ein seriöser Ablauf führt zügig zu einem vollständigen Vertragsentwurf, statt immer neue Vorabdokumente zu verlangen.

Was ist ein Proof of Product (POP)?

Ein Proof of Product ist der Nachweis, dass der Verkäufer über die angebotene Ware verfügt, etwa durch Lager- oder Tankbestätigungen, Produktionsnachweise, aktuelle Inspektionsberichte oder Eigentumsdokumente.

Ein POP ist nur so viel wert wie seine Überprüfbarkeit. Bestätigungen sollten direkt beim Lagerhalter, Terminal oder Prüfer verifiziert werden können. Kopien, Fotos oder ältere Berichte ohne Bezug zur konkreten Partie reichen nicht.

Woran erkennt man ein unseriöses Rohstoffangebot?

Typische Warnsignale sind Vorabgebühren, Preise deutlich unter Markt, unklare Herkunft und Eigentumsverhältnisse, fehlende Überprüfbarkeit der Ware sowie Zeitdruck.

  • Gebühren für Angebote, Dokumente, Registrierung oder Zugang zum Lieferanten
  • Preise deutlich unter Marktniveau ohne plausible Begründung
  • Lange Ketten von Vermittlern ohne erkennbaren Verkäufer
  • Weigerung, eine unabhängige Inspektion oder direkte Verifizierung zuzulassen
  • Verlangen von Vorauszahlung ohne Sicherheit oder vor Vertragsschluss
  • Generische E-Mail-Adressen, widersprüchliche Firmendaten, fehlende Registereinträge
  • Druck, sofort zu unterschreiben oder zu zahlen

Welche Betrugsmuster sind im Rohstoffhandel bekannt?

Bekannt sind Vorschussbetrug mit Gebühren für Dokumente oder Tankprüfungen, gefälschte Bankdokumente und SBLC-Angebote, Angebote nicht existierender Ware sowie Verfahren, bei denen der Käufer vor jeder Prüfung zahlen soll.

Im Mineralölhandel tauchen etwa Angebote auf, bei denen der Käufer vorab für Tankmiete, Tankprüfung oder Tankübernahme zahlen soll, ohne dass Ware und Eigentum unabhängig bestätigt sind. Bei Edelmetallen sind Angebote großer Mengen ohne nachvollziehbare Herkunft und Ausfuhrdokumente ein deutliches Warnsignal.

Wie schützen Sie sich vor Rohstoffbetrug?

Prüfen Sie die Gegenpartei mit amtlichen Unterlagen, verifizieren Sie Ware und Dokumente direkt bei der Quelle, zahlen Sie nur über abgesicherte Instrumente und ziehen Sie bei Zweifeln Bank und Rechtsberater hinzu.

  1. Handelsregister und wirtschaftlich Berechtigte prüfen.
  2. Ware, Lager und Zertifikate direkt beim Lagerhalter oder Prüfer verifizieren.
  3. Nur über Bankinstrumente oder gegen Sicherheiten zahlen.
  4. Vertrag vor Unterzeichnung rechtlich prüfen lassen.
  5. Keine sensiblen Bank- oder Unternehmensdaten an ungeprüfte Kontakte senden.

Was ist ein NCNDA?

Ein NCNDA (Non-Circumvention, Non-Disclosure Agreement) ist eine Vereinbarung, die Vertraulichkeit und das Umgehen von Vermittlern regeln soll. Sie ist im Vermittlungsgeschäft verbreitet, ersetzt aber keine Prüfung der Beteiligten.

Ein NCNDA schützt nur so weit, wie es rechtlich wirksam und durchsetzbar ist. Häufig wird es zusammen mit einer Provisionsvereinbarung verwendet, in der Vermittlungsgebühren festgelegt werden.

Stand: Oktober 2026Diese Seite enthält allgemeine Informationen zur Handelspraxis. Sie stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.

Ist eine ICPO rechtlich bindend?

In der Regel nicht wie ein Kaufvertrag. Wie weit sie bindet, hängt von Inhalt und anwendbarem Recht ab. Verbindlich ist das unterzeichnete SPA.

Muss ich vor einem Angebot einen Proof of Funds senden?

Ein Mittelnachweis kann im Lauf eines Geschäfts sinnvoll sein. Senden Sie aber keine Bankdokumente an ungeprüfte Kontakte, und nicht bevor die Gegenseite selbst geprüft ist.

Warum gibt es so viele Vermittlerketten?

Viele Angebote werden über mehrere Vermittler weitergereicht, oft ohne direkten Kontakt zum Verkäufer. Je länger die Kette, desto schwerer lässt sich prüfen, ob die Ware existiert.

Sind Vorabgebühren im Rohstoffhandel üblich?

Nein. Im seriösen Handel wird eine Vermittlungsprovision vorab schriftlich vereinbart und in der Regel erst mit der Abwicklung des Geschäfts fällig. Gebühren nur für Angebote, Dokumente oder Zugang zu Lieferanten sind ein Warnsignal.

Was tun, wenn ich Betrug vermute?

Brechen Sie den Kontakt ab, leisten Sie keine Zahlungen und sichern Sie die Unterlagen. Wenden Sie sich an Ihre Bank und gegebenenfalls an die Polizei.

Ist ein FCO ein verbindliches Angebot?

Ein FCO soll die Konditionen vollständig darlegen, ist aber häufig unter Vorbehalten formuliert. Maßgeblich bleibt der unterzeichnete Kaufvertrag.

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