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Ratgeber · Betrug erkennen

Rohstoff-Betrug erkennen: die häufigsten Maschen und wie Sie sich schützen

Kaum ein Markt zieht so viele Scheinangebote an wie der Rohstoffhandel – besonders bei Diesel, Kerosin, Gold und Dünger. Die Maschen ähneln sich: erfundene Bankinstrumente, starre Prozeduren, Vorabgebühren und Zeitdruck. Wer sie kennt, erkennt sie früh.

Stand: Oktober 20264 Min. LesezeitAndalucia Premium

Auf einen Blick

SBLCs und MT760-Nachrichten werden nicht gekauft, verkauft oder „monetarisiert“ – wer das anbietet, betrügt.

Starre Prozeduren, Vorabgebühren und Zahlungen vor überprüfbarer Ware sind die Kernmerkmale der meisten Maschen.

Verifizieren Sie Firma, Ware und Bank immer selbst über unabhängige, offizielle Kanäle.

Warum ist der Rohstoffhandel so anfällig für Betrug?

Weil es um große Summen, internationale Beteiligte und Fachbegriffe geht, die Außenstehende schwer überprüfen können. Betrüger nutzen das, indem sie professionell wirkende Dokumente und Abläufe imitieren.

Typisch sind Angebote, die über lange Vermittlerketten weitergereicht werden, sodass niemand den eigentlichen Verkäufer kennt. Je weniger sich überprüfen lässt, desto größer ist der Spielraum für Täuschung.

Kann man eine SBLC kaufen, leasen oder monetarisieren?

Nein. Ein Standby-Akkreditiv ist eine Bankverpflichtung für ein konkretes Grundgeschäft und kein handelbares Anlage- oder Finanzierungsinstrument. Die US-Bundespolizei FBI hat in einer Warnung des Internet Crime Complaint Center (IC3) vom 18. März 2019 festgehalten, dass SBLCs nicht gehandelt, gekauft oder verkauft werden.

In derselben Warnung nennt das FBI typische Merkmale solcher Maschen: unverhältnismäßige Renditen oder Kredite ohne Risiko, gefälschte SWIFT-Nachrichten wie MT799 oder MT760 als angeblicher Mittelnachweis, Vorabgebühren, unnötige Geheimhaltung und die Verwendung des Begriffs „monetize“.

  • „SBLC zu verkaufen“ oder „SBLC-Leasing“
  • „Monetarisierung“ von Bankgarantien
  • Renditeversprechen aus angeblichen Handelsprogrammen

Was ist der Unterschied zwischen MT760 und MT799?

MT760 ist das SWIFT-Format, über das Banken Garantien und Standby-Akkreditive übermitteln; MT799 ist eine freie Textnachricht zwischen Banken ohne Zahlungsverpflichtung. Betrüger verwenden beide Bezeichnungen, um Scheinsicherheit zu erzeugen.

Echte SWIFT-Nachrichten werden ausschließlich zwischen Banken ausgetauscht. Ein Screenshot, eine PDF-Datei oder ein „Pre-Advice“ von einer Privatperson beweist nichts. Ob eine Bank tatsächlich eine Garantie gestellt hat, kann nur Ihre eigene Bank über ihre Kanäle bestätigen.

Wie erkennt man ein unseriöses EN-590- oder Jet-A1-Angebot?

Typisch sind unaufgeforderte Großangebote mit festen Prozeduren, Preisen unter Markt und Zusicherungen wie „keine Sanktionen“, ohne dass Raffinerie, Lagerort und Eigentum überprüfbar sind.

  • Feste Prozedur: Der Käufer soll zuerst ICPO, Bankdokumente oder eine SBLC liefern, bevor der Verkäufer sich überhaupt ausweist.
  • „Dip Test“ oder Tanklagerbestätigung (TSR, Tank Storage Receipt) nur gegen Vorauszahlung für Tankmiete oder Prüfung.
  • Riesige Mengen über lange Laufzeiten zu Sonderkonditionen.
  • Ursprung bleibt vage oder wechselt zwischen den Dokumenten.
  • Formeln wie „no sanctions“ ersetzen keinen Herkunftsnachweis.

Seriöse Verkäufer weisen sich aus, lassen eine unabhängige Inspektion zu und vereinbaren die Zahlung über ein Bankinstrument gegen Dokumente.

Welche Vorabgebühren sind ein Warnsignal?

Jede Zahlung, die verlangt wird, bevor ein Kaufvertrag besteht und die Ware überprüfbar ist: Aktivierungs-, Registrierungs-, Dokumenten-, Tankmiet- oder Prüfgebühren, Provisionsvorschüsse oder ein Performance Bond vor jeder Gegenleistung.

Die Gebühren sind oft klein im Verhältnis zum angeblichen Geschäft – genau darauf setzen die Täter. Nach der ersten Zahlung folgt häufig die nächste „unerwartete“ Gebühr. Im seriösen Handel werden Kosten und Provisionen vorab schriftlich vereinbart und an das zustande gekommene Geschäft geknüpft.

Wie erkennt man gefälschte Firmen und Look-alike-Domains?

An E-Mail-Adressen und Domains, die einem bekannten Unternehmen nur ähneln, an fehlenden oder widersprüchlichen Registerdaten und an wechselnden Firmennamen. Prüfen Sie Domain, Registereintrag und Kontaktwege selbst.

  • Domain mit vertauschten oder zusätzlichen Buchstaben, anderer Endung oder Bindestrich
  • Kostenlose E-Mail-Adressen statt eigener Firmendomain
  • Unternehmen nicht im Handelsregister auffindbar oder mit abweichender Anschrift
  • Unterschriften, Stempel oder Briefköpfe, die von Dokument zu Dokument abweichen

Rufen Sie das Unternehmen über eine Telefonnummer an, die Sie selbst recherchiert haben – nicht über die Nummer aus dem Angebot.

Warum sind Kontakt nur über WhatsApp und Zeitdruck verdächtig?

Weil seriöse Handelsunternehmen über nachvollziehbare Firmenkanäle kommunizieren und Prüfungen Zeit brauchen. Wer nur per Messenger erreichbar ist und auf sofortige Entscheidung drängt, will Prüfungen verhindern.

Häufige Muster sind angeblich unerreichbare Bankberater, „letzte Chance“-Fristen, wechselnde Ansprechpartner und die Bitte, Unterlagen nur per Chat zu senden. Nehmen Sie sich die Zeit für die Prüfung – ein echtes Geschäft übersteht sie.

Wie schützen Sie sich wirksam vor Rohstoff-Betrug?

Prüfen Sie die Gegenpartei mit amtlichen Unterlagen, verifizieren Sie Ware, Lager und Bankdokumente über unabhängige Kanäle und zahlen Sie nur dokumentär über eine verifizierbare Bank. Bei Verdacht brechen Sie den Kontakt ab und informieren Ihre Bank.

  1. Registerauszug, wirtschaftlich Berechtigte und Sanktionslisten prüfen.
  2. Bankdokumente nur über die eigene Bank bestätigen lassen.
  3. Lagerbestätigungen direkt beim Terminal oder Lagerhalter verifizieren.
  4. Unabhängige Inspektion vertraglich festlegen.
  5. Keine Vorabgebühren zahlen, keine sensiblen Daten an ungeprüfte Kontakte senden.
  6. Verträge vor Unterzeichnung rechtlich prüfen lassen.

Stand: Oktober 2026Diese Seite enthält allgemeine Informationen zur Handelspraxis. Sie stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.

Ist jedes Angebot mit ICPO-Prozedur Betrug?

Nein, ICPO und andere Absichtserklärungen kommen auch in seriösen Geschäften vor. Verdächtig ist eine starre Prozedur, die vom Käufer Dokumente und Zahlungen verlangt, bevor der Verkäufer sich und die Ware überprüfbar nachgewiesen hat.

Was ist ein Dip Test?

Bei einem Dip Test wird in einem Lagertank eine Probe gezogen und der Füllstand gemessen, um Qualität und Menge zu prüfen. Seriös ist das nur, wenn Terminal und Inspektion unabhängig bestätigt sind und keine Vorauszahlung an den Verkäufer verlangt wird.

Was bedeutet TSR?

TSR steht für Tank Storage Receipt, eine Bestätigung über eingelagerte Ware in einem Tanklager. Sie hat nur Wert, wenn sie direkt beim Terminal überprüft werden kann.

Kann ein Proof of Funds per MT799 verlangt werden?

Eine MT799 ist eine freie Nachricht zwischen Banken ohne Zahlungsverpflichtung. Wer sie als Vorbedingung für ein Angebot verlangt, sollte kritisch geprüft werden; senden Sie Bankinformationen nie an ungeprüfte Kontakte.

An wen wende ich mich bei Verdacht auf Betrug?

Brechen Sie den Kontakt ab, leisten Sie keine Zahlungen, sichern Sie alle Unterlagen und informieren Sie Ihre Bank. Bei einem Schaden erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Zahlt man bei Andalucia Premium Geld an das Unternehmen selbst?

Nein, Zahlungen für Ware gehen nie an uns. Sie laufen im Rahmen des Kaufvertrags dokumentär über eine verifizierbare Bank an den geprüften Verkäufer.

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