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Ratgeber · Edelmetallpreise

Edelmetallpreise verstehen: Spotpreis, LBMA-Preise, Aufgeld und Barrenformate

Wer als Unternehmen physisches Gold, Silber, Platin oder Palladium kauft oder verkauft, hat es mit mehreren Preisen zugleich zu tun: einem Spotpreis, der sich fast ununterbrochen bewegt, Referenzpreisen zu festen Uhrzeiten und einem Vertragspreis mit Aufgeld oder Abschlag. Dieser Ratgeber zeigt, wie diese Preise zusammenhängen und wie man eine Preisklausel liest.

Stand: Oktober 20268 Min. LesezeitAndalucia Premium

Auf einen Blick

Der Spotpreis für Edelmetalle bildet sich laufend im außerbörslichen Markt in London und Zürich und an Terminbörsen wie der COMEX; die LBMA-Preise sind Referenzpreise, die zu festen Uhrzeiten ermittelt werden.

Edelmetalle werden in US-Dollar je Feinunze (31,1035 g) notiert; ein Kilogramm entspricht rund 32,15 Feinunzen.

Der tatsächlich gezahlte Preis ist Referenz- oder Spotpreis plus Aufgeld bzw. minus Abschlag – abhängig von Barrenformat, Raffinerie, Feingehalt, Lieferort, Fracht, Versicherung und Lagerung.

Woraus setzen sich Edelmetallpreise zusammen – und warum ist der Preis „heute“ nie nur eine Zahl?

In der Praxis gibt es drei Ebenen: den Spotpreis des Großhandelsmarkts, Referenzpreise wie den LBMA Gold Price und den Preis im einzelnen Vertrag. Der Vertragspreis leitet sich aus einer der beiden ersten Ebenen ab und wird um Aufgeld oder Abschlag angepasst. Jeder Kurs hat einen Geldkurs (Ankauf) und einen Briefkurs (Verkauf), und beim physischen Barren kommt ein Aufgeld hinzu. Webseiten mit tagesaktuellen Edelmetallpreisen zeigen deshalb Orientierungswerte, keine Preise, zu denen sich eine bestimmte Partie kaufen oder verkaufen lässt.

Auf die Frage „Was kostet Gold heute?“ gibt es deshalb keine einzige Antwort. Wer Kilobarren kauft, muss wissen, welche Referenz der Verkäufer verwendet, zu welchem Zeitpunkt der Preis festgestellt wird und welche Zuschläge gelten.

PreisebeneWas sie istTypische Verwendung
SpotpreisAktueller Großhandelspreis für sofortige Abwicklung, ändert sich laufendOrientierung, Handel im Moment
ReferenzpreisZu fester Uhrzeit ermittelter Preis, z. B. LBMA Gold Price AM/PMBezugsgröße in Verträgen und Bewertungen
VertragspreisReferenz oder Spot plus Aufgeld / minus AbschlagDer tatsächlich berechnete Betrag

Die einzelnen Metalle und den Unterschied zwischen physischem Metall und Papiergold erklärt unser Ratgeber Edelmetalle: Liste und Handel.

Die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs ist der Spread. Im Großhandel ist er eng, bei kleinen Mengen und kleinen Barren breiter. Preisseiten zeigen meist einen Spotpreis oder einen verzögerten Mittelkurs, oft ohne Hinweis, ob es sich um Geld-, Brief- oder Mittelkurs handelt, und ohne Aufgeld.

  • Veröffentlichte Kurse können verzögert oder gemittelt sein.
  • Sie beziehen sich auf Großhandelsmetall an einem Referenzort, nicht auf Ihr Barrenformat, Ihre Menge oder Ihre Lieferadresse.
  • Währungsumrechnung und Umsatzsteuer fehlen häufig.

Für einen verbindlichen Preis bestätigt die Gegenpartei Referenz, Zeitpunkt der Preisfeststellung, Aufgeld oder Abschlag und Lieferbedingungen schriftlich.

Wo entsteht der Spotpreis, und wann wird mit Edelmetallen gehandelt?

Der Spotpreis stammt aus dem außerbörslichen Großhandelsmarkt (OTC) mit den Zentren London und Zürich sowie von Terminbörsen wie der COMEX in New York. Weil der Handel durch die Zeitzonen Asiens, Europas und Amerikas wandert, gibt es an Werktagen nahezu rund um die Uhr Kurse.

Im OTC-Markt handeln Banken, Raffinerien und Händler direkt miteinander; die Preise beziehen sich auf Metall an einem bestimmten Ort, etwa loco London oder loco Zürich. Terminbörsen ergänzen Kontrakte mit späterer Lieferung; ein COMEX-Goldfuture lautet zum Beispiel auf 100 Feinunzen. Termin- und Spotpreis hängen eng zusammen, sind aber nicht gleich, weil im Terminpreis Finanzierungs- und Lagerkosten bis zum Liefermonat stecken.

Für den Edelmetallhandel heißt das: An Werktagen gibt es praktisch immer einen Kurs, am liquidesten ist der Markt aber, wenn sich London und New York überschneiden. Am Wochenende ruht der Markt weitgehend; der erste Preis am Montag kann deshalb deutlich vom Freitagsschluss abweichen.

Wie funktionieren die LBMA-Preise für Gold, Silber, Platin und Palladium?

Die LBMA-Preise sind Referenzpreise, die in elektronischen Auktionen unabhängiger Administratoren ermittelt werden. Der LBMA Gold Price wird zweimal täglich festgestellt, um 10:30 und 15:00 Uhr Londoner Zeit, der LBMA Silver Price einmal täglich um 12:00 Uhr Londoner Zeit.

ReferenzpreisHäufigkeitAdministrator
LBMA Gold PriceZweimal täglich, 10:30 (AM) und 15:00 Uhr (PM) Londoner ZeitICE Benchmark Administration (IBA)
LBMA Silver PriceEinmal täglich, 12:00 Uhr Londoner ZeitICE Benchmark Administration (IBA)
LBMA Platinum und Palladium PriceZweimal täglichLondon Metal Exchange (LME)

In der Auktion geben die Teilnehmer Kauf- und Verkaufsmengen zu einem vorgeschlagenen Preis ein; der Preis wird in Runden angepasst, bis sich Angebot und Nachfrage innerhalb einer Toleranz ausgleichen. Ergebnis ist ein Preis in US-Dollar je Feinunze. Weil er zu bekannter Uhrzeit nach dokumentiertem Verfahren entsteht, eignet er sich gut als Bezugsgröße in Verträgen. Die offizielle Methodik veröffentlicht die LBMA unter lbma.org.uk.

Wie rechnet man den Unzenpreis in Gramm und Kilogramm um?

Edelmetalle werden je Feinunze (Troy Ounce) notiert, die 31,1035 Gramm wiegt – nicht je gewöhnlicher Unze. Der Grammpreis ist der Unzenpreis geteilt durch 31,1035, der Kilopreis der Unzenpreis mal rund 32,1507.

EinheitIn FeinunzenUmrechnung des Unzenpreises
1 Gramm0,03215 ozUnzenpreis ÷ 31,1035
100 Gramm3,2151 ozUnzenpreis × 3,2151
1 Kilogramm32,1507 ozUnzenpreis × 32,1507
Good-Delivery-Goldbarren 400 ozca. 400 oz (12,44 kg)Unzenpreis × tatsächliches Feingewicht

Wichtig: Der Preis gilt für das Feingewicht, also den reinen Metallanteil. Ein Barren mit 1 kg Bruttogewicht und Feingehalt 995 enthält 995 g Feingold, bei 999,9 sind es 999,9 g. Bei großen Barren wird nach dem Feingewicht abgerechnet, das auf dem Barren oder im Assay angegeben ist.

Woraus besteht das Aufgeld bei Goldbarren und anderen Barrenformaten?

Das Aufgeld deckt die Kosten, um Großhandelsmetall in das vereinbarte Produkt zu verwandeln und an den vereinbarten Ort zu bringen. Entscheidend sind Barrengröße, Raffinerie, Feingehalt, Lieferort, Fracht, Versicherung und Lagerung.

FormatGewicht und FeingehaltTendenz des Aufgelds
Good-Delivery-Goldbarren350–430 oz Feingold (ca. 10,9–13,4 kg), mind. 995niedrigstes Aufgeld je Unze
Gold-Kilobarren1 kg (32,15 oz), meist 995 oder 999,9niedrig bis mittel
Kleinbarrenz. B. 1 g bis 100 g, 999,9höher, weil sich die Herstellungskosten auf weniger Metall verteilen
Good-Delivery-Silberbarren750–1.100 oz (ca. 23–34 kg), mind. 999niedrig je Unze, aber Fracht und Lagerung fallen im Verhältnis zum Wert stärker ins Gewicht
  • Raffinerie: Barren von Raffinerien auf anerkannten Akkreditierungslisten lassen sich leichter weiterverkaufen und beleihen.
  • Lieferort: Metall loco London oder Zürich ist nicht gleich Metall, das in ein anderes Land geliefert wird; Transport und Einfuhrformalitäten kosten Geld.
  • Fracht und Versicherung: Werttransport durch spezialisierte Dienstleister.
  • Lagerung: Tresorgebühren, wenn das Metall verwahrt bleibt.

Das Aufgeld schwankt mit der Marktlage; bei starker Nachfrage nach bestimmten Formaten kann es spürbar steigen.

Wie wird Doré-Gold bepreist?

Doré ist unraffiniertes Minengold, das noch Silber und andere Metalle enthält. Es wird nicht zum vollen Goldpreis gekauft, sondern auf Basis des per Assay ermittelten Gehalts, abzüglich Raffinationskosten und weiterer Abzüge.

Ein Doré-Vertrag regelt typischerweise:

  • Assay: Ein unabhängiges oder vereinbartes Labor bestimmt den Gold- und Silbergehalt; vorläufiger und endgültiger Assay können voneinander abweichen.
  • Bezahlter Anteil: welcher Prozentsatz des ermittelten Feingehalts vergütet wird.
  • Raffinationskosten: Gebühr je Unze oder je Partie für die Veredelung auf Barrenqualität.
  • Abzüge: für unerwünschte Begleitelemente.
  • Preisbasis und Abrechnung: z. B. LBMA-Preis an einem festgelegten Tag nach dem Assay, häufig mit vorläufiger und endgültiger Zahlung.

Weil Doré direkt aus Minen stammen kann, verlangen Raffinerien und Käufer lückenlose Herkunftsnachweise. Doré-Angebote ohne nachvollziehbare Lieferkette, besonders aus Konfliktregionen, sind ein ernstes Warnsignal.

Wie wird der Preis in einem Vertrag über physische Edelmetalle festgelegt?

Der Vertrag nennt einen Referenzpreis, einen Zeitpunkt der Preisfeststellung und ein Aufgeld oder einen Abschlag, etwa „LBMA Gold Price PM am Liefertag minus x %“ oder „plus x US-Dollar je Unze“. Außerdem regelt er Währung, Mengentoleranz, Lieferort und Zahlungszeitpunkt.

Typische Bestandteile einer Preisklausel:

  • Referenz: LBMA Gold Price AM oder PM, LBMA Silver Price oder ein vereinbarter Spotkurs zu definierter Uhrzeit.
  • Stichtag: Bestelltag, Liefertag, Assay-Tag oder Durchschnitt über einen Zeitraum.
  • Aufgeld oder Abschlag: in Prozent oder als fester Betrag je Unze.
  • Basis: Feingewicht laut Barrenliste oder Assay.
  • Währung: meist US-Dollar; Umrechnung in Euro zu einem vereinbarten Kurs.
  • Lieferung und Gefahrübergang: Ort, Incoterm, Versicherung und Eigentumsübergang.

Vor Vertragsschluss durchlaufen beide Seiten eine Identitäts- und Compliance-Prüfung; Einzelheiten im Ratgeber KYC-Prüfung im Rohstoffhandel.

Wie kann man Edelmetalle als Unternehmen handeln – physisch oder auf Papier?

Ein Unternehmen kann physisches Metall handeln, also Barren mit Eigentum und Lieferung, oder Papierprodukte wie Futures, ETFs oder CFDs. Andalucia Premium SL befasst sich nur mit der physischen Seite zwischen geprüften Unternehmen und bietet weder Handelskonten noch CFDs oder Anlageberatung an.

Beim physischen Edelmetallhandel erhält der Käufer zugeordnete (allokierte) Barren mit Barrenliste oder die Lieferung in einen Tresor bzw. an eine Adresse. Papierprodukte bilden nur den Preis ab; dahinter stehen eine Gegenpartei oder Börsenregeln, aber kein Barren in Ihrem Besitz. Was für ein Unternehmen passt, hängt vom Geschäftszweck ab, nicht von einer allgemeinen Empfehlung.

Wir vermitteln physische Geschäfte zwischen geprüften Unternehmen wie Raffinerien, Händlern und Industrieabnehmern. Wir handeln nicht auf eigene Rechnung und unterhalten kein Lager. Mehr zu unserem Leistungsumfang auf der Seite Edelmetalle.

Welche Preisangebote sind Warnsignale?

Gold „mit 10 bis 20 % Rabatt auf LBMA“, Doré ohne Herkunftsnachweis und Vorauszahlungen für Exportgenehmigungen sind klassische Warnsignale. In einem funktionierenden Markt verkauft niemand nachprüfbare Barren weit unter dem Referenzpreis.

  • Großer Abschlag auf LBMA: Wird nachprüfbares Gold in Good-Delivery-Qualität weit unter dem Referenzpreis angeboten, steckt meist kein echtes Metall dahinter.
  • Keine Barrenliste, kein Assay, keine Raffinerie: Seriöse Angebote nennen Raffinerie, Barrennummern, Feingehalt und Lagerort.
  • Doré aus Konfliktregionen ohne nachvollziehbare Lieferkette.
  • Vorauszahlungen für Exportgenehmigungen, Steuern, „Zertifikate“ oder Versicherungen, bevor das Metall geprüft werden kann.
  • Druck und Geheimhaltung: sehr kurze Fristen, Ablehnung eines unabhängigen Assays oder der KYC-Prüfung.

Weitere Muster beschreibt unser Ratgeber Rohstoff-Betrug erkennen.

Stand: Oktober 2026Diese Seite enthält allgemeine Informationen zur Handelspraxis. Sie stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.

Ist Anlagegold in der EU umsatzsteuerfrei?

Nach der Mehrwertsteuer-Richtlinie 2006/112/EG (Art. 344 ff.) ist Anlagegold, etwa Barren mit einem Feingehalt von mindestens 995, in der EU grundsätzlich von der Umsatzsteuer befreit. Silber-, Platin- und Palladiumbarren fallen nicht unter diese Befreiung und sind in der Regel umsatzsteuerpflichtig. Die konkrete Behandlung sollte mit einem Steuerberater geklärt werden.

Kann man Edelmetalle als Firma kaufen und verkaufen?

Ja, im physischen Großhandel kaufen und verkaufen Unternehmen wie Raffinerien, Händler und Industrieabnehmer Edelmetalle auf Basis von Referenzpreisen mit Aufgeld oder Abschlag. Voraussetzung sind eine Identitäts- und Compliance-Prüfung und klare Vertragsbedingungen.

Warum zeigen Preisseiten unterschiedliche Edelmetallpreise?

Sie nutzen verschiedene Quellen, Aktualisierungsintervalle und Kursarten (Geld, Brief oder Mittelkurs) und oft verzögerte Daten. Es sind Orientierungswerte des Großhandels ohne Aufgeld, Fracht, Währungsumrechnung und Steuern.

Was ist der Unterschied zwischen LBMA-Preis und COMEX-Preis?

Die LBMA-Preise sind Referenzpreise für Metall im Londoner OTC-Markt, ermittelt zu festen Uhrzeiten. COMEX-Preise sind Terminpreise für Lieferung in einem künftigen Monat an einer US-Börse. Beide hängen eng zusammen, der Terminpreis enthält aber Finanzierungs- und Lagerkosten bis zur Lieferung.

Wie kalkulieren Edelmetallhändler ihre Preise?

Üblicherweise nehmen sie den Spot- oder Referenzpreis und schlagen ein Aufgeld für Barrenformat, Raffinerie, Logistik und Marge auf. Beim Ankauf nennen sie einen Geldkurs unter dem Spotpreis oder mit Abzug.

Können Privatpersonen über Sie Edelmetalle kaufen?

Nein. Andalucia Premium SL vermittelt physische Edelmetalle nur zwischen geprüften Unternehmen. Wir verkaufen nicht an Privatanleger, betreiben keinen Onlineshop und bieten keine Anlageberatung.

Bieten Sie ein Konto zum Edelmetalle handeln an?

Nein. Wir bieten keine Handelskonten, keine CFDs und keinen Online-Handel an. Wir vermitteln physisches Metall zwischen geprüften Unternehmen und handeln nicht auf eigene Rechnung.

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